Was sich nicht geändert hat
In dreißig Jahren wechselte die Technologie von pipe-getrennten Nachrichten zu REST und JSON. Die Werkzeuge wurden besser. Die Stellen, an denen Bedeutung verloren geht, blieben dieselben.
HL7 v2: Segmente, Felder, Pipes. FHIR: Ressourcen, Profile, REST. Der Fortschritt ist real — bessere Werkzeuge, klarere Modelle, ein lebendiges Ökosystem. Aber die Stellen, an denen Integration in der Praxis scheitert, waren nie technischer Natur. Deshalb hat der Technologiewechsel sie nicht mitgenommen — er hat sie in eine neue Syntax übersetzt.
Dieselben vier Verluste
Die kanonischen Muster, an denen Bedeutung an Systemgrenzen verloren geht, haben jeweils eine Entsprechung in beiden Welten:
- Type Narrowing — damals der lokale Hauscode im freien Textfeld, heute der spezifische SNOMED-Code, der als unspezifischer ICD-Eintrag landet. Aus präzise wird grob.
- Temporal Collapse — damals der abgeschnittene Zeitstempel, heute das Intervall, das beim Mapping zum Zeitpunkt wird. Aus Verlauf wird Moment.
- Attribute Dropping — damals die verlorene Maßeinheit im OBX-Segment, heute das qualifizierende Attribut (Einheit, Status, Negation), das die Ressource nicht mehr trägt. Aus Befund wird Zahl.
- Reference Severing — damals der gerissene Bezug zwischen ORC und OBR, heute die basedOn-Referenz, die nicht auflöst. Aus Zusammenhang wird Fragment.
Was wirklich neu ist — und was nicht
Neu sind die Mittel: FHIR bietet sauberere Wege, diese Verluste zu vermeiden, als HL7 v2 sie je hatte. Nicht neu ist die Entscheidung dahinter. Ob die Einheit mitgeführt wird, ob „leer“ als „nicht erhoben“ oder „nicht vorhanden“ modelliert wird, ob die Referenz hält — das war in v2 ungelöst und ist es in FHIR genauso, solange niemand es bewusst festlegt.
Die Pointe
Das sind keine Formatprobleme. Es sind Governance-Aufgaben. Ein neues Format löst sie nicht — es verschiebt sie nur in eine neue Syntax. Wer dieselben vier Muster nicht adressiert, baut sie in FHIR exakt nach. Der ehrliche Maßstab für ein Migrationsprojekt ist deshalb nicht „läuft die FHIR-API?“, sondern „haben wir die Entscheidungen getroffen, die HL7 v2 offen gelassen hat?“.
Wir begleiten KIS→FHIR-Migrationen genau an diesen Stellen — und prüfen mit SILD, ob die vier Verlustmuster im neuen Format tatsächlich vermieden werden. Wenn Sie Ihre Migration daran messen wollen: Kontakt aufnehmen.
Die formale Grundlage — AION, CAIRN und der SILD-Detektor (FM-4) — ist unter aion-clinical.eu dokumentiert.